“Lasst uns miteinander reden” – Dialogpapier des BDKJ

Published on Jul 9th, 2010 by Benjamin Korpan | 0
“Lasst uns miteinander reden” – Dialogpapier des BDKJ

Der BDKJ Diözesanverband hat bei seiner vergangenen Diözesanversammlung Ende Juni ein Dialogpapier verabschiedet.
Es hat das Ziel, den Mitgliedern Orientierung und Mut bei den aktuell stattfindenden (Regional-)Gesprächen mit der Bistumsleitung aber auch bei zukünftigen Gesprächen in unserer Kirche zu geben. Im folgenden der Text des gemeinsamen Papiers:

Wir, die katholischen Jugendverbände im Bistum Augsburg, machen uns große Sorgen um unsere Kirche und ihre Zukunft. Die Kirche liegt uns am Herzen und ist für uns Heimat – das soll sie auch bleiben. Uns bedrückt sehr, dass das Fehlverhalten einzelner zu einem deutlichen Glaubwürdigkeits- und Vertrauensverlust der gesamten Kirche in der Gesellschaft geführt hat.

Die momentane Situation stellt die Kirche in unserem Bistum und damit auch uns vor große Herausforderungen. Wir erleben, wie die katholische Kirche in Frage gestellt wird, werden gezwungen uns für unser Engagement in der Kirche zu rechtfertigen und sehen uns verletzenden Anfeindungen in unserem Umfeld ausgesetzt.

Trotz all dem, trotz unserer Wut und unseres Zweifelns, bleiben wir in diesen Zeiten der Krise unserer Kirche treu und gestalten diese weiter aktiv mit. Die katholische Kirche im Bistum Augsburg ist unsere Kirche. Wir vertrauen auf die erneuernde Kraft Gottes, glauben an die befreiende Botschaft des Evangeliums Jesu Christi und hoffen auf seinen Geist des Aufbruchs und der Stärkung.

Aus Sorge und Liebe zur Kirche melden auch wir uns zu Wort und wollen die Einladung des Diözesanadministrators des Bistums Augsburg, Weihbischof Josef Grünwald, annehmen:

Dieser schreibt in seinem Brief an die Menschen im Bistum Augsburg, wir müssen einen „Neuanfang auf allen Ebenen der Diözese miteinander wagen. Dies gilt für die Bistumsleitung im Dialog mit den Priestern, Diakonen und kirchlichen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen der Diözese. Dies betrifft auch den Dialog der Priester in und mit ihren Gemeinden. Ehrlich, offen und ohne falsche Rücksichtnahme haben wir uns der schwierigen Situation zu stellen.“

Wir sind zu diesem Dialog bereit.

Wir sind davon überzeugt, dass es jetzt – mehr denn je – nötig ist, dass die Menschen in unserer Diözese miteinander reden, dass alle gehört werden, dass jede ihre und jeder seine Meinung sagen kann und dass diese Meinung auch ernst genommen wird. Damit wollen wir unserer Kirche helfen:

  • Wir wollen dazu beitragen, dass die Kirche auch heute ihre Botschaft jungen Menschen verkünden kann, damit diese Hoffnung haben für ihr Leben.
  • Wir wollen dazu beitragen, dass die Kirche wieder als Heimat erfahrbar wird, in der junge Menschen wachsen können und zu starken Persönlichkeiten werden.
  • Wir wollen dazu beitragen, dass die Kirche zukunftsfähig ist und den modernen Menschen ernst nimmt.
  • Wir wollen dazu beitragen, dass die Kirche sich nicht zurückzieht, sondern lebendig ist und Gesellschaft und Politik mitgestaltet.

Wir leisten in der katholischen Kinder- und Jugend(verbands)arbeit unseren Beitrag zum Aufbau der Kirche.

In unseren Gruppenstunden vor Ort, den Freizeit- und Schulungsmaßnahmen, der jugendgemäßen Liturgie, den Festen und den Begegnungen, aber auch in den Gremien und Lobbygruppen tragen wir aktiv dazu bei, dass Kirche lebendig ist und positiv wahrgenommen wird.

Wir setzen uns für die Belange der Kinder- und Jugendlichen in unserer Kirche und Gesellschaft ein und sehen uns als leidenschaftliche Vertretung, die innerhalb und außerhalb der Kirche Kindern und Jugendlichen eine Stimme gibt.

Kinder und Jugendliche lernen in unseren Gruppen den christlichen Glauben kennen und erfahren ihn so als Bereicherung für ihr Leben. Für viele von ihnen ist die Zugehörigkeit zu einer verbandlichen Jugendgruppe eine wertvolle Hilfe auf ihrem persönlichen Glaubensweg, so dass sie zu gläubigen und engagierten Christinnen und Christen heranwachsen. So gestalten wir die Zukunft der Kirche mit.

Daher ist es ist uns ein Anliegen mitzureden und gehört zu werden.

Wichtig sind uns in der aktuellen Diskussion unter anderem folgende Gesichtspunkte:

  • Ein Dialog muss immer und jederzeit möglich sein – nicht nur in Krisen. Das aufeinander hören und die Meinung des anderen zu bedenken, ist ein Gebot der Nächstenliebe. Ein konstruktiver Dialog kann nur auf Augenhöhe stattfinden! Deshalb ist es wichtig, dass die Meinung von Laien und Priestern, Frauen und Männern, Jung und Alt als gleich wichtig und gleichwertig akzeptiert ist.  Es braucht entsprechende Gremien und Gelegenheiten, um dies Wirklichkeit werden zu lassen. Bei einem offenen Dialog dürfen wir keine Gruppen ausschließen. Es muss Aufgabe sein, allen Christen und Christinnen einen Platz und eine Stimme in unserer Gemeinschaft zu geben. Es darf auch keine Bevorzugung oder Benachteiligung einzelner Gruppen geben – alle müssen miteinander an einem Tisch sitzen. Als ein Beispiel auch jene, die als wiederverheiratet Geschiedene sich von der Kirche als Ausgeschlossene erfahren.
  • Ein Dialog darf keine Grenzen kennen: Er muss auch über die Grenzen der katholischen Kirche hinaus geführt werden. Die Verbände bringen sich schon lange in die Gesellschaft ein und gestalten politische Entscheidungen mit. Es muss auch Aufgabe der gesamten Kirche sein, sich in Gesellschaft und Politik einzubringen und den offenen Dialog mit anderen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften zu führen. Auch der interreligiöse Dialog erscheint uns als eine wichtige Aufgabe.
  • Dialog kann nur gelingen, wenn auch alle die gleichen Rechte in unserer Gemeinschaft haben. Deshalb muss es auch für nicht Gleichberechtigte, wie Frauen und Laien in unserer Kirche möglich sein, leitende Positionen inne zu haben.
  • Es kann keine Tabuthemen in einem Dialog geben. Besonders beschäftigen unsere Kinder und Jugendlichen folgende Themen, die auch angesprochen werden sollen und dürfen: die Pflicht der Ehelosigkeit der katholischen Priester, die Interkommunion von Katholiken und Protestanten, gerade wenn sie in einer konfessionsverbindenden Ehe leben, die Stellung der Kirche zu gleich- und verschiedengeschlechtlicher Liebe auch im Hinblick auf vorehelichen Geschlechtsverkehr und Verhütungsmittel.

Wir Verbände – gerade auch wir Jugendverbände – sind unserer Kirche und unseren Mitgliedern schuldig, einen Dialog zu führen, bei dem sich alle wohl fühlen können und niemand Angst vor Repressalien haben muss.  Als Teil unserer Kirche begrüßen wir ausdrücklich die Einladung des Diözesanadministrators zum Dialog und verleihen unserer dringenden Bitte Ausdruck, diesen Dialog auch auf allen Ebenen durchzuführen.

Unsere Positionen orientieren sich an den Meinungen und Einstellungen unserer Mitglieder, der Kinder und Jugendlichen, die alle Christen und Christinnen in dieser Kirche sind und sein wollen.

Der BDKJ im Bistum Augsburg ist Dachverband von 10 katholischen Jugendverbänden mit rund 27.000 Mitgliedern. Er vertritt die Interessen von Kindern, Jugendlichen sowie jungen Erwachsenen in Politik, Kirche und Gesellschaft.

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